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Familie H. Barth

Heinrich Barth wurde am 27.6. 1888 wie sein jüngerer Bruder Julius in Flehingen als Sohn von Liebmann und Rosa Barth geboren. Am 15.August 1919 heiratete er in Flehingen Eda (Else), geborene Schlesinger, geb. 28.6.1896. Nach der Hochzeit am 15.8. 1919 ließ sich Heinrich Barth mit seinem jüngeren Bruder Julius in Ulm und Giengen als Viehhändler nieder. Mit der Machtübernahme der Nazis ging das Geschäft stark zurück, zum 30.12. 1937 wurde Juden die „Zulassung zum Viehhandel“ endgültig entzogen.

Heinrich und Eda Barth  hatten zwei Kinder: Lotte/Lottie, geboren in Ulm am 19.4.1920 und Suse, geb. 12.Juni 1928 in Ulm.

Die Familie wohnte in Ulm zunächst in der Basteistraße 33, dann 1920 in der Olgastraße 81 (heute 139). Diese Wohnung verließen sie im Herbst 1933 und zogen in den 3. Stock der Ensingerstraße 21 um. Ende 1939 wurden sie in das „Judenhaus“ Neutorstraße 15 zwangsweise umgesiedelt.

Heinrich Barth, der im Ersten Weltkrieg deutscher Frontsoldat gewesen war, wurde im Rahmen des Pogroms in Ulm im November 1938 misshandelt und  zusammen mit Bruder Julius ins KZ Dachau verschleppt. Er konnte in Gegensatz zu seinem Bruder, der dort verstarb, am 18.12. 1938 nach Ulm zurückkommen.

Eda und Heinrich Barth waren 46 und 54 Jahre alt, als sie am 28.11. 1941 zusammen mit der 13-jährigen Tochter Suse aus Ulm über Stuttgart nach Riga deportiert wurden. Mit ihnen wurde auch die 9-jährige Beate Bärtig (geb. 15.3 1932 in Karlsruhe) verschleppt.  Die 9-jährige Nichte von Eda und Heinrich, lebte seit 1939 bei Tante und Onkel, weil die Eltern als badische Juden in das Lager Gurs deportiert worden waren.

Tochter Lotte/Lottie bekam mit Hilfe von Verwandten  eine Einreisegenehmigung in die USA und konnte mit 18 Jahren  am 30. November 1938, als der Vater im KZ war, Ulm verlassen. Sie heiratete den Emigranten Lewis Greenwood am 13.10.1940 in New York. Das Paar bekam zwei Kinder, Michael und Suzanne, die heute beide Großeltern sind.

In den „Zeugnissen zur Geschichte der Juden in Ulm“ (1991) schreibt sie u.a.: „ Es war nicht einfach, mit 18 Jahren ganz allein in die Welt zu gehen in dem Bewußtsein, daß man nicht wieder zurück zu seinen Eltern, Verwandten, Freunden und in seine Heimatstadt, in der man aufgewachsen war und die man liebte, kommen kann. Ich hatte nie woanders gelebt als in Ulm an der Donau.“

 

Autor: Silvester Lechner